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Nachfolgend informieren wir über das Thema Bissverletzungen. Mit den publizierten Bildern und Fakten möchten wir nicht schockieren oder dramatisieren, sondern seriös aufklären. Im Verhältnis zur Hundepopulation in der Schweiz ereignen sich Vorfälle mit gravierenden Verletzungen glücklicherweise selten. Dennoch erscheint es uns unerlässlich, die möglichen Folgen eines Hundebisses zu thematisieren… denn jeder Vorfall ist einer zuviel! Das Bild des HundesDer Hund kann für ein Kind Angstobjekt sein (als Folge einer Bedrohung, einer Bissverletzung, eines Sturzes, weil die Eltern es sagen, aber auch ohne ersichtlichen Grund), ein Spielkamerad, ein Sündenbock, ein Tröster, ein Wesen zu dem man eine enge Beziehung hat, ein Geschenk... Das Bild, welches das Kind vom Hund hat, entsteht nicht nur durch die eigene Beziehung, die es zum Tier aufbaut, sondern auch durch das, was man das Kind lehrt. Es wird mitgeprägt durch das Bild, das ihm die Erwachsenen in seinem Umfeld vermitteln und durch seine Kultur. Ein Kind muslimischer Herkunft hat ein anderes Bild vom Hund und baut eine andere Beziehung zu ihm auf, als ein Kind christlicher oder buddhistischer Herkunft. So hängt das Bild, vom Hund, abhängig vom Blickwinkel jedes einzelnen, von seiner Kultur, seiner Lebensweise und von seinen persönlichen Erfahrungen ab. Der sozialisierte HundAlle Hunde, ganz gleich welcher Rasse oder Kreuzung, sind sich genetisch sehr ähnlich. Die Selektion hat lediglich einige phänotypische Besonderheiten, im körperlichen Erscheinungsbild und im Verhalten hervortreten lassen. Das Verhalten entwickelt sich auf der Basis dieser genetischen Voraussetzungen, in dauernder Interaktion mit der Umwelt und dem Erlernten. Ein Hund wird nicht «zivilisiert» geboren, er wird zivilisiert. Der Hund ist nicht von Natur aus des Menschen bester Freund, er wird es. Der Hund lernt den Menschen als Art von Freunden zwischen seiner 3. und 12. ± 2 Lebenswoche kennen. Man spricht von der Sozialisierungsphase. Das Band der Beziehungen, das in diesem Zeitraum mit der Art Mensch geknüpft wird, widersetzt sich dem Beuteverhalten. Ist der Hund nicht gegenüber verschiedenen Menschentypen korrekt sozialisiert, kann der Mensch Angst auslösen oder aber eine Beute darstellen, insbesondere dann, wenn der Hund grösser ist als der Mensch. So kann ein Baby selbst für einen kleinen Hund eine Beute sein. Unfälle durch HundebisseGemäss einer 1995 durchgeführten und 1998 publizierten Studie werden in der Schweiz jährlich 190 Hundebiss-und-kratzverletzungen je 100'000 Einwohner durch Hausärzte versorgt. Personen unter 20 Jahren sind überdurchschnittlich vertreten. Gemäss der Studie werden am häufigsten die Beine (35.4%), gefolgt von den Händen (30.02%), den Armen (19.3%), Gesicht, Kopf und Nacken (9%) und Rumpf (6.1%) verletzt. Bei Kindern unter 5 Jahren sind die Verletzungen in 40% der Fälle am Kopf und/oder Nacken, bei Kindern unter 15 Jahren in 25 % der Fälle. Ausser bei den Kindern unter 10 Jahren, wo vermehrt Jungen unter den Opfern waren, hat der Autor in dieser Studie keine Geschlechtsunterschiede beobachtet. Bisher wurden nur wenige epidemiologische Studien zum Thema publiziert. Es ist davon auszugehen, dass das Opfer den Hund in der Mehrzahl der Fälle kennt. Wichtige Hinweise......für Eltern die einen Hund haben:- Hund und Kind nie zusammen alleine lassen, insbesondere nicht Kleinkinder unter 3 Jahren.
- Dem Hund einen zurückgezogenen Schlafplatz zuweisen, ohne «Aussicht».
- Den Kindern beibringen, den Hund zu respektieren, ebenso seinen Schlafplatz und seinen Napf.
- Den Kindern korrekten Umgang mit dem Hund beibringen, gegebenenfalls mit Hilfe von Erziehungskursen.
...für alle Eltern, unterwegs auf der Strasse:- Den Kindern beibringen, einen Hund nie zu berühren ohne vorgängig den Besitzer um Erlaubnis zu fragen. Akzeptieren, wenn er es nicht erlaubt!
- Den Kindern beibringen, nicht zu Hunden heranzugehen, die vor einem Geschäft angebunden sind und sie schon gar nicht zu berühren.
- Den Kindern beibringen, ruhig an Hunden vorbeizugehen, auch wenn diese an der Leine sind und genügend Abstand zu halten, wenn sie mit Rollbrett, Rollerblades oder Trottinett an Hunden vorbeifahren. Viele Hunde haben Angst, versuchen zu fliehen oder können aus Angst angreifen, weil sie an der Leine nicht fliehen können.
- Im Falle einer Bedrohung oder eines Angriffs Anzeige bei der Polizei erstatten.
...für Eltern und Kinder die Angst haben, von einem Hund bedroht oder angegriffen werden: - Blick abwenden, schweigen, Arme am Körper hängenlassen und ruhig bleiben.
- Das heisst: nicht schreien, nicht davonlaufen, dem Hund nicht in die Augen schauen, nicht gestikulieren, nichts nach dem Hund werfen, keine Ultraschallgeräte oder Gassprays verwenden.
...für den Fall eines Sturzes:- Nacken mit den Händen schützen, den Bauch Richtung Boden, «sich tot stellen», flach auf dem Boden oder kugelig liegend. ...denn der Hund versteht Hundesprache: fixieren des Hundes mit den Augen ist Provokation zum Angriff.Durchdringendes Geschrei sowie plötzliche und unkoordinierte Bewegungen stimulieren Aggressionsverhalten beim Hund.
...für den Arzt:- Wenn Sie bei einem Kind Bisswunden behandeln und die Eltern des Kindes sind selber Besitzer des beissenden Hundes oder kennen den Besitzer gut, geben Sie den Rat, dem Hund einen Maulkorb anzuziehen und möglichst bald einen Tierarzt aufzusuchen, damit das Problem analysiert und die nötigen Konsequenzen gezogen werden können.
- Falls eine derartige Massnahme nicht realisiert werden kann, zum Beispiel weil die Eltern den Besitzer des Hundes nicht kennen, raten Sie ihnen, bei der Polizei Anzeige zu erstatten.
- Falls die Eltern Besitzer des Hundes sind und nichts unternehmen wollen, klären Sie ab, ob es nötig ist, die sozialen Dienste einzuschalten: passive Misshandlung ist nicht ausgeschlossen und nichts zu unternehmen, könnte fatale Folgen haben und gleichbedeutend sein mit unterlassener Hilfeleistung.“
Text: Frau Dr. med. vet. Colette Pillonel, Verhaltensmedizinerin Bundesamt für Veterinärwesen, Schwarzenburgstrasse 161, 3003 Bern.Auszug aus „Der beste Freund des Menschen – Mythos und Wirklichkeit“ mit der freundlichen Genehmigung der Verfasserin.Den vollständigen Text sowie Literatur-Hinweise zum Thema finden Sie hier.
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